Das zweite Goldene Zeitalter —Johan Ludvig Lund über alle Grenzen

DIE SAMMLUNG HIRSCHSPRUNG

Ausstellung in der Sammlung Hirschsprung bis 12. Januar 2020.

Danach im Ribe Kunstmuseum vom 1. Februar bis 1. Juni 2020.

Viele Künstler sind in Vergessenheit geraten, darunter auch Johan Ludvig Lund, ein Maler des Goldenen Zeitalters der dänischen Kunst. Er hätte jedoch etwas Besseres verdient, spielte er doch eine wichtige Rolle in der europäischen und dänischen Kunstwelt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Sammlung Hirschsprung, das Ribe Kunstmuseum, das Skovgaard Museum und das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck präsentieren Lunds Kunst in der Ausstellung Das zweite Goldene Zeitalter. Johan Ludvig Lund über alle Grenzen, die sich mit seinen engen Beziehungen zu deutschen Künstlern und den Problemen, die sich daraus für sein Andenken in Dänemark ergaben, beschäftigt. 

Johan Ludvig Lund (1777-1867) war ein vorurteilsfreier Künstler, der das turbulente Europa mit großer Neugier bereiste. Als reisender, in Holstein gebürtiger Däne war er Grenzgänger in einer Zeit mit immer größerem Fokus auf nationale Eigenarten. Lund selbst war jedoch Exponent einer anderen Seite des 19. Jahrhunderts, nämlich eines empfindsamen Kosmopolitismus, der auf der Idee eines gemeinsamen europäischen Kulturerbes beruhte und die zeitgenössische Kunst grenzüberschreitend kultivierte. Lund war einer der wenigen Künstler, der im Dänemark des Goldenen Zeitalters öffentliche Aufträge erhielt, und er malte daher große historische Gemälde für Schloss Christiansborg und zahlreiche Altarbilder für große und kleine Kirchen im ganzen Land. Gleichzeitig arbeitete er als Porträt- und Landschaftsmaler und hatte ein eindrucksvolles internationales Netzwerk, das Künstler, Dichter und Intellektuelle wie Caspar David Friedrich, J. C. Dahl, und Friedrich Overbeck sowie die Familien Brun, Schiller und Humboldt umfasste. Als Professor an der Kunstakademie bildete er gemeinsam mit C. W. Eckersberg die Generation dänischer Künstler aus, die wir als Maler des Goldenen Zeitalters kennen. 

In der Ausstellung begegnet man Werken von Lund, seinen Kollegen in Dänemark und Deutschland und seinen Schülern. Die Ausstellung zeigt alle Facetten von Lunds Schaffen – von Historiengemälden mit Motiven aus der Antike und der nordischen Mythologie bis hin zu Porträts, Altarbildern und Landschaften. Gerade mit der Landschaftsmalerei hinterließ Lund seine vielleicht wichtigsten Spuren, indem er Künstler wie J. Th. Lundbye, Louis Gurlitt und P. C. Skovgaard unterrichtete. Die Ausstellung ist damit eine gute Gelegenheit für eine Begegnung mit alten Bekannten und vergessenen Meistern. Sie erinnert uns daran, dass der Kunstkanon veränderlich und immer wieder neu auszuhandeln ist.

Was wurde aus Lund? Warum geriet der Professor, der so viele Meister des Goldenen Zeitalters ausgebildet hatte, in Vergessenheit? Warum fiel der Künstler mit dem großen internationalen Netzwerk und den empfindsamen Historiengemälden in Ungnade? Das wollen wir mit dieser Ausstellung herausfinden!“

ANNA SCHRAM VEJLBY
AUSSTELLUNGSKURATORIN

ACHTEN SIE AUF:

J. L. Lund: Opferszene aus odinscher Zeit, 1831

Lund gehörte zur ersten Generation dänischer Künstler, die auf die nordische Mythologie aufmerksam wurde. In der großen Gemäldeserie über die Geschichte der Religion für Schloss Christiansborg, an der Lund viele Jahre lang arbeitete, fabulierte er über den Asenkult in der Wikingerzeit. Die prähistorische Forschung steckte zu diesem Zeitpunkt noch im Anfängerstadium, weshalb Lund nicht wissen konnte, das sein Gemälde, auf dem eine Gruppe Wikinger eine Statue von Thor anbetet, sowohl bronzezeitliche Luren als auch steinzeitliche Äxte zeigt.

Louis Gurlitt (1812-1897), Partie von Kullen. Ein paar Schmuggler verstecken ihr Gut zwischen den Felsen. Mondschein, 1834

Louis Gurlitt kam aus Altona und war damit Holsteiner wie Lund. Die beiden entwickelten eine enge Lehrer-Schüler-Beziehung und Lund porträtierte den Schüler sogar. Gurlitt wurde für seinen romantischen Stil, der in diesem Gemälde über die stürmische Nacht zum Ausdruck kommt, stark kritisiert. Er fühlte sich so sehr aus dem kulturellen Kopenhagener Leben ausgeschlossen, dass er im Ersten Schleswigschen Krieg 1848 der preußischen Seite seine Loyalität erwies. Damit eliminierte er sich aus der dänischen Kunstgeschichte, obwohl er in Dänemark gebürtig war, Motive aus Dänemark malte und die Aufmerksamkeit des Könighauses genoss.

J. L. Lund: Der Engel an Christi Grab, 1846

Lund malte Altarbilder für viele Kirchen. Das Altarbild mit dem großen Engel zeigt einen der zentralen Momente des Christentums – die Auferstehung und die mit dem Glauben verbundene Hoffnung. Lund wählte häufig wundersame statt ‚realistischere‘ Bibelszenen, außerdem war er von der deutschen Lukasbruderschaft inspiriert, einer Künstlergilde, die sich intensiv mit religiösen Motiven befasste und von der Malerei der Renaissance beeinflusst war.

Die Sammlung Hirschsprung

Die Sammlung Hirschsprung ist ein staatliches Museum mit eigenständigem Verwaltungsrat. Es wurde vom Tabakfabrikanten und Kunstsammler Heinrich Hirschsprung und seiner Frau Pauline gegründet und 1911 eröffnet.

Das Museum beherbergt dänische Kunst aus dem 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert mit Hauptwerken von Künstlern wie C. W. Eckersberg, Christen Købke, P. S. Krøyer, Anna Ancher und Vilhelm Hammershøi. Die Sammlung umfasst auch Möbel, Gegenstände, die einst Künstlern gehörten, Statuetten sowie ein großes Archiv mit Dokumenten und mehr als 25.000 Künstlerbriefen.