Jeppe Hein: Ich bin ein Berliner

Interview mit Jeppe Hein

Berlin! Berlin ist eine Hochburg des Punks, der jungen wilden Künstler und der fantastischen wie traumatischen Geschichte, die der Stadt eine Energie verleihen, die auch heute noch dänische Künstler anzieht. Im Laufe der Zeiten haben Deutschlands Akademien und Städte Künstler und Kreative aus Kopenhagen angelockt, und der Hauptstadt gelingt es noch immer, Heimat und Freiraum für einige der markantesten Künstler zu sein. Der dänische Künstler Jeppe Hein studierte an der Königlich Dänischen Kunstakademie und richtete schon bald den Blick in Richtung Süden:

„,Ich habe in Frankfurt studiert, und schon dort wurde mein Interesse für Berlin geweckt. Jetzt lebe ich hier schon seit Ende der 90er Jahre mehr oder weniger fest, und obwohl ich mich ab und zu nach Kopenhagen und der dänischen Mentalität sehne, bin ich doch in Berlin zu Hause.“

Jeppe Hein begann 1996 als Assistent des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson, der in Berlin lebt, arbeitet und unterrichtet. Seit den 1990er Jahren wirkt Berlin wie ein Magnet auf Künstler, und man spürt geradezu, dass die Stadt heute die Rolle übernommen hat, die Rom einst für die Maler des Goldenen Zeitalters der dänischen Kunst spielte. Man spricht häufig von einem besonderen Elan und Puls in der Stadt:

Künstler kommen nach Berlin, um etwas zu geben und gleichzeitig etwas zu bekommen. Das hat mich und andere stark beeinflusst. 

JEPPE HEIN

„,Als ich anfing, mich in Berlin aufzuhalten, war ich total fasziniert von der wilden, sprudelnden Kulturszene, die in den 90ern entstand. Es war – und ist – so, als gäbe es Platz für alle Künstler und alle Formen der Kunst. Man geht einfacher aufeinander zu, und die Kunst hat Elan. Künstler kommen nach Berlin, um etwas zu geben und gleichzeitig etwas zu bekommen. Das hat mich und andere stark beeinflusst. Es herrscht eine Kreativität, die mich gefesselt hat, weshalb ich im Jahr 2000 permanent hierher gezogen bin.“ 

Räume für Kunst 

Es waren jedoch nicht nur die Möglichkeiten für die Kunst selbst, die Hein und andere Künstler faszinierten. Die Kunst benötigt die richtigen Rahmenbedingungen, um wachsen und sich entfalten zu können, und in dieser Beziehung läuft Berlin einer Stadt wie Kopenhagen den Rang ab: 

„,Es geht auch darum, irgendwo vernünftig und günstig wohnen zu können – jedenfalls billiger als in vielen anderen Großstädten. Es muss Möglichkeiten geben, dort sowohl wohnen als auch arbeiten zu können. In dieser Hinsicht hat Berlin Künstlern, die häufig wenig verdienen und sowohl eine Wohnung als auch ein Atelier brauchen, einfach mehr zu bieten. Berlins urbane Räume haben dabei für mich den großen Unterschied ausgemacht. Ein weiteres wichtiges Element sind die aufgeschlossenen Kunstakademien, die jungen Menschen Freiräume lassen. Die Schulen, die den jungen Künstlern Raum ließen, standen finanziell gut da.“ 

Studio Jeppe Hein. Photo by Runa Huber. Courtesy Jeppe Hein

Für Hein gehören der Dialog und die Begegnung zwischen den jungen Künstlern zu den essentiellsten Dingen, die der dynamischen Kunstszene in Berlin den Nährboden bereiten: ,„Die jungen Menschen sind besonders gut darin, voneinander zu profitieren. Es besteht ein Austausch zwischen den jungen Künstlern, die über alles sprechen und alles miteinander teilen. Aus diesem Grund war ich auch produktiver, wenn ich an einen Ort mit derart großer Offenheit und Dialogbereitschaft kam. Wenn man sich an einem solchen Ort befindet, passiert irgendetwas mit den eigenen künstlerischen Prozessen.

Die Kultur blüht, was Berlin in seinem Branding als Stärke genutzt hat, da man die Kultur als wichtigen Teil des Images der Stadt betrachtet. In Berlin ist immer etwas los, und das hat mich schon immer fasziniert. Neben einer bezahlbaren Basis bot Berlin mir auch unzählige Galerie-Eröffnungen, Ausstellungen und kleine Konzerte in jedem Keller. Man war stets zu diesem und jenem unterwegs, und das hat mich in die Stadt hineingesogen. Und fesselt mich noch immer.“